Archetypische Bewegungen

Die Bewegungen, die zu den unterschiedlichen Musikstücken gemacht werden, sind schamanischen und spirituellen Tänzen entnommen.

Die Bewegungen sind strukturelle einfache Abläufe, die körperfreundlich und harmonisch sind.

Musik und Tanz, einerseits zu den Künsten gehörend, können wie andere Kunstformen dem Menschen dazu verhelfen, seinen Charakter zu entwickeln, sein Selbst zu finden, sich physisch und geistig zu formen und zu Gesundheit und Reife zu gelangen.

Die gespielte und gesungene Musik ist meist pentatonisch. Rhythmen und Melodien sind meist so gewählt, dass jeder in seinem eigenen Tempo und seinen Fähigkeiten entsprechend folgen kann.

Der erste Bewegungsablauf

Musik: Neyimprovisation

Das Bewusstsein wird hier auf die Hände gelenkt und es wird eine Verbindung zwischen Hand, Augen und Herz geknüpft.

Die Hände sind für den Menschen von Geburt an von großer Bedeutung. Worte wie: Be-greifen, Er-greifen, Auf-fassen, etc. zeugen von der ersten physischen Kontaktaufnahme des Kindes mit dieser materiellen Welt, wie aber auch die damit beginnenden kognitiven Prozesse.

Neben der Zunge werden für die Hände, die meisten Neuronen im Zentralen Nervensystem zur Verfügung gestellt.

Der Mensch gebraucht seine Hände für unzählige alltägliche Verrichtungen.

Auch symbolisieren die Hände in nahezu allen geistigen Wegen den Ausdruck der Gebetshaltung.

Aus der Neuropsychologie ist uns bekannt, das Hand – und Fingerbewegungen eine heilsame Wirkung auf Gehirnverletzungen haben.

Die Fingerstellung einer Hand kann als der in arabischen Schriftzeichen geschriebene Gottesname ALLAH gelesen werden.

Die erste Bewegung dient nun dazu einen liebevollen und bewussten Kontakt zwischen Auge, Herz und Hand zu finden.

Die Bewegung entstammt einem Bektasi Sema.

Der zweite Bewegungsablauf

Musik: AKKALFAK

Der zweite Bewegungsablauf lädt ein, sich dem eigenen Inneren zu zuwenden, die Rückbesinnung auf sich selbst, sowie die Konzentration auf das Innere Spüren und Erleben zu lenken.

Diese Bewegung stammt ebenfalls aus einem Bektasi Sema. Die oval-runden Bewegungen werden langsam, der Musik entsprechend, in sanften, weichen Bewegungen durchgeführt. Die Form entspricht den vertikal angeordneten Bogengängen im Innenohr.

Im orientalischen Ansatz finden wir den Grundgedanken der Veränderung von Emotionen durch spezifische, harmonisierende Impulse, anstelle von Übersteigerung der Gefühle.

Der dritte Bewegungsablauf

Musik: ALIP KIL MINA, TANSAMALI

Der dritte Bewegungsablauf dient dazu, einen Kontakt herzustellen, zwischen dem erspürten Inneren und der äußeren Welt. Die Vorstellung, das Imaginieren von Bildern aus der Natur, wie z.B. Wind -, Wasser -, Vogel – oder Pferdebewegungen, fließendes Wasser, sowie das Umarmen oder das Voranschreiten auf dem Weg oder die Vorstellung sich etwas zu nehmen oder sich etwas anzunehmen, mögen Hilfen bei der Ausführung sein.

Die Bewegung symbolisiert auch ein freudiges Weiterkommen, Beschreiten eines Weges und das Umarmen und Begrüssen dessen, was da kommt.

Die Wirkung der pentatonischen Lieder macht es dem Übenden leichter, Zutrauen zu fassen, Endscheidungen zu treffen und sich auf das Geschehen einzulassen.

Der vierte Bewegungsablauf

Musik: SAMAVIR, SANDUGAC, CENGIZ HAN

Der vierte Bewegungsablauf dient vorrangig dazu, die Schultern bewusst wahrzunehmen, zu entkrampfen und zu aktivieren. Stress macht sich häufig im Schulterbereich bemerkbar. Es kommt zu Blockaden, Schmerzen, Muskelverhärtungen oder Nervenbeeinträchtigungen.

Die Bewegungen der Schultern massiert auch die inneren Organe im Brustbereich, wie Herz und Lunge und die Epithelzellen.

Aus islamischer Sicht kommt den Schultern noch eine weitere Besonderheit zu:

„auf jeder Schulter eines Menschen sitzt ein Engel“, so sagt man. Der eine schreibt die guten Taten des Menschen auf und der andere, die Negativen.

Wichtig ist, die Bewegungen weich und sanft auszuführen und gemäss den eigenen Möglichkeiten.

Der fünfte Bewegungsablauf

Musik: KAZ KANATI, DEGIRSEN YANINDA KALACAGIM MEN

Der fünfte Bewegungsablauf bezieht die Nacken – Halspartie mitein. Dieser Körperbereich bildet die Verbindung zwischen Kopf und Rumpf. Viele Nervenbahnen ziehen durch diesen Teil.

Hier wird der Kopf, indem alle Funktionen gesteuert werden, mit dem Körper verbunden.

In einigen schamanischen Kulturen ist es heute noch üblich, den Schulter – Nackenbereich durch spezielle Massagen zu aktivieren, um Trancezustände hervorzurufen.

Der sechste Bewegungsablauf

Musik: ACMA TEREZENNI, IRKEM, AKBULAK, CENESE, AZERBAYCAN, SENI KALAY UMUTAYIN, evtl. noch instrumental

Im sechsten Teil wird der Körper von der bislang strukturell vorgegebenen Bewegung in die Improvisation geleitet.

Die zuvor gelernten Bewegungen können hier miteinander verknüpft werden und zu neuen Formen und Gefühlen führen.

Lebendigkeit entfaltet sich und ein Zugang zu intensivem Spüren des eigenen Selbst.

Im Tanz besteht nun die Möglichkeit, sich dem Spiel und der Freude der Musik in Gemeinschaft mit der Bewegung zu überlassen.

Sorgen und Schmerzen können für eine Weile vergehen und es entsteht ein Kontakt zur urpersönlichen, lustvollen Erfahrung.

Musik und Tanz mit Bewegungsstrukturen, die das geistige und heilende Potential im Menschen ansprechen, zeigen positive und heilende Effekte.

Die altorientalische Musiktherapie basiert auch auf der Grundannahme, dass in jedem Menschen ein Gefühl für Vollkommenheit grundgelegt ist, ohne das der Mensch diese absolute Vollkommenheit erreicht hätte. Die Musik setzt genau an diesem Aspekt an. Sie erfüllt den Wunsch nach Harmonie und Vollkommenheit.

Im sechsten Teil überlässt man den Körper der freien Bewegungsimprovisation.

Es können die zuvor gelernten Bewegungen mit ihren emotionalen, körperlichen und geistigen Verknüpfungen gemacht werden, die häufig zu positiven Gefühlen führen und Lebendigkeit spüren lassen.

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